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Sexualaufklärung fördert Entwicklung einer toleranten Gesellschaft

Die Gegner der Sexualaufklärung an den Schulen halten es für eine Zumutung oder gar für eine Gefahr, wenn Kinder und Jugendliche über die Sachlage verschiedenartiger sexueller Orientierungen, sexueller Ausdrucksformen und partnerschaftlicher Beziehungsformen erfahren. Welcher Schaden genau befürchtet wird, bleibt unklar. Warum Wissen über Sexualität und die Verschiedenartigkeit der menschlichen Sexualität überhaupt zu Schäden führen sollte, bleibt ebenfalls offen.

 

Vermutlich aber teilen die Gegner der Sexualaufklärung an den Schulen die Furcht des Präsidenten Ugandas, Museveni, der beispielsweise die Sorge hat, dass homosexuelles Verhalten von Erwachsenen Kinder in die Homosexualität rekrutieren könnte.

 

Die Gegner der Sexualaufklärung gehen davon aus, dass es für Kinder und Jugendliche besser sei, über Sexualität eher wenig und wenn überhaupt nur das Nötigste zu wissen, wie dass Sexualität der Fortpflanzung diene, aus Geschlechtsverkehr bestehe  und zwischen Mann und Frau stattfinde. Dass dies nicht der Wirklichkeit entspricht, dass es neben der heterosexuellen Orientierung zahlreiche weitere Orientierungen gibt, dass es vielfältige Varianten sexuellen Verhaltens und Praktiken gibt, dass Sexualität keineswegs vorwiegend der Fortpflanzung dienen muss und dies auch nicht tut, dass es neben der klassischen heteronormativen Konstellation auch Partnerschaften zwischen Menschen des gleichen Geschlechts und sogar Beziehungen zwischen mehr als zwei Personen gibt, dass in nicht heteronormativen Beziehungen ebenfalls Kinder gesund aufwachsen können und dies auch tun, dass die binäre Geschlechterklassifikation eine Vereinfachung ist und es neben dem Transgenderbereich auch ein drittes Geschlecht gibt - all diese Tatsachen sollen Kinder in der Sichtweise der Gegner einer offenen und zeitgemäßen Sexualaufklärung an den Schulen nicht erfahren.

 

Als ob es etwas Schlechtes wäre, dass Geschlecht, Sexualität, Partnerschaft und Familie vielgestaltig sind. Denn wenn es nicht schlecht, peinlich oder unerwünscht wäre, warum sollte hierüber mit Kindern und Jugendlichen nicht offen gesprochen werden?

 

Die Gegner der Sexualaufklärung wollen vor allem Eines:

 

Unter den Teppich kehren, was ihrem eigenen heteronormativen Weltbild nicht entspricht. Sexualität ist für sie nach wie vor etwas, was es zu verbergen gelte, worüber Erwachsene höchstens tuscheln und deren Kenntnis von Kindern und Jugendlich tunlichst fernzuhalten sei.

 

Die Bemühungen der Gegner der Sexualaufklärung dienen der Aufrechterhaltung eines überkommenen, der empirischen Realität und der gesellschaftlichen Entwicklung nicht gerecht werdenden Weltbildes. Dieses Bemühen kaschiert sich als Schutz von Kindern und Jugendlichen, die damit in Wirklichkeit gefährdet werden:

 

Die Exzesse einer die Sexualität auf Fortpflanzung und Heteronormativität einengenden und in weiten Teilen verdrängenden Haltung und Praxis sind im Rahmen der katholischen Kirche in den letzten Jahren mehr als deutlich und öffentlich geworden. Das Schweigen über Sexualität hat es nicht verhindert, sondern hat es gefördert, dass an Klosterschulen sexuelle Übergriffe auf Kinder und Jugendliche jedenfalls in der Vergangenheit geradezu zur Regel gehörten. Weil diese Kinder nie lernten, zu reden, sondern Sexualität mit Schweigen verbanden, suchten sie keine Hilfe und machten nicht öffentlich, was nur durch Öffentlichkeit hätte beendet oder verhindert werden können.

 

Kinder und Jugendliche, die über kein selbstverständlich altersangemessenes, aber profundes Wissen über Sexualität verfügen, werden leichter Opfer von sexuellem Missbrauch, weil sie nicht einordnen können, was geschieht, oder weil sie mit Scham reagieren und nicht wissen, wie und an wen sie sich wenden können. Wissen und offener Umgang mit Sexualität sind demgegenüber die am besten geeigneten Strategien, um dem sexuellen Missbrauch entgegen zu wirken und den potentiellen Opfern Möglichkeiten zu geben, um ihre Viktimisierung zu verhindern. Aber nicht nur die potentiellen Opfer, sondern auch die potentiellen Täter mögen in einer gesellschaftlichen Atmosphäre, die offen gegenüber Sexualität ist, eher bereit sein, sich Hilfe zu suchen, wo sie Hilfe brauchen, und Selbskontrolle zu praktizieren, wo diese notwendig ist.

 

Die Gegner der Sexualaufklärung wollen einen Status Quo erhalten oder sogar einen Rolllback einleiten, der sich auf eine Zeit bezieht, in der Kinder und Jugendliche nicht über Wissen, Strategien und Fertigkeiten verfügten, um sich gegen sexuellen Missbrauch zur Wehr zu setzen. Sie schützen damit keine Kinder und Jugendliche, sondern bringen sie in Gefahr.

 

Die Gegner der Sexualaufklärung würden, wenn sie sich durchsetzten, nicht nur ein Klima erzeugen, welches sexuellem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen Vorschub leistet, sondern sie würden ebenso Diskriminierung und Ausgrenzung all derjenigen Kinder und Jugendlichen fördern, die bei sich wahrnehmen, dass sie offenbar keine heteronormative Entwicklung durchlaufen:

 

Kinder nehmen bei sich oftmals bereits in einem frühen Alter war, dass ihre Entwicklung nicht heteronormativ verläuft. Transgender-Merkmale, die Überwindung von Geschlechtergrenzen und auch Anzeichen einer homosexuellen Entwicklung sind oft bereits im Kindes- und frühen Jugendalter erkennbar. Sind diese durch die Betreffenden selbst nicht zuzuordnen oder werden sie gar negativ eingeordnet, fehlt ein Klima der Akzeptanz, resultieren Hänseleien oder Mobbing, droht die seelische Entwicklung Schaden zu nehmen.

 

Außerdem besteht eine erhöhte Gefahr, dass Kinder und Jugendliche zu denen gehören, die mobben, wenn ihnen nicht bereits von vornherein ein fundiertes Wissen über die Vielgestaltigkeit der menschlichen Sexualität  und die Notwendigkeit von Akzeptanz vermittelt wird.

 

Zusammengefasst, bedrohen die Gegner der Sexualaufklärung Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene, indem sie der Sexualität wieder einen Schamplatz in der Gesellschaft zuweisen wollen und dadurch die Bedingungen  für sexuellen Missbrauch, Ausgrenzung und Mobbing schaffen, indem sie sowohl das „Täterwerden“ als auch Viktimisierungsprozesse fördern.

 

Die Gegner der Sexualaufklärung sind gleichzeitig entschiedene Gegner einer pansexuellen Gesellschaft wie auch individueller pansexueller Entwicklungsmöglichkeiten, die die künstlichen Grenzen geschlechtlicher Bezüge überschreiten und zu einer den Menschen als Menschen begehrenden und zu liebenden Praxis voranschreiten.

 

Sexualaufklärung über die Vielgestaltigkeit der menschlichen Sexualität ist aus objektiv-wissenschaftlicher und pansexueller Sichtweise keine Überforderung von Kindern und Jugendlichen und für diese sicherlich kein Schaden, sondern ist mit enormen Chancen verbunden, unterdrückerisches Sexualverhalten gesellschaftlich zu überwinden und positive Formen sexueller Vielgestaltigkeit, sexuellen Erlebens und partnerschaftlicher Bezüge ungestört gedeihen zu lassen. 

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