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Gleichklang schenkt Ugandas Präsident ein Buch über Homosexualität im Tierreich zu Weihnachten

Ugandas Präsident Museveni hält Homosexualität für abnormal (Bildquelle: UK Department for International Development)

Letztes Jahr unterzeichnete der Präsident Ugandas Yoweri Museveni ein Gesetz, welches die bereits seit Langem in Uganda und in vielen anderen afrikanischen Ländern praktizierte Verfolgung von gleichgeschlechtlichen sexuellen Kontakten zwischen zustimmungsfähigen Erwachsenen verschärfte. Erstmals wurde mit diesem Gesetz nicht nur homosexuelles Verhalten zwischen Männern, sondern ebenso zwischen Frauen kriminalisiert. Das Gesetz sah lebenslange Freiheitsstrafen für gleichgeschlechtliche Sexualkontakte und gleichgeschlechtliche Beziehungen und Ehezeremonien vor.

 

Museveni selbst bezeichnete Homosexualität als unnatürlich. Er mache sich Sorgen, dass erwachsene europäische Homosexuelle afrikanische Kinder in die Homosexualität rekrutieren könnten.

 

Mittlerweile wurde das Gesetz durch den obersten Gerichtshof Ugandas aufgehoben, weil bei seiner Verabschiedung im Parlament nicht genügend Abgeordnete anwesend gewesen seien. Jedoch liegt bereits ein neuer und sogar weiter verschärfter Gesetzentwurf vor, der im Parlament noch nicht behandelt worden ist, obwohl seine Befürworter das Gesetz wörtlich als ein Weihnachtsgeschenk für die Bevölkerung Ugandas proklamierten. 

 

Derweil verdichten sich aber die Anzeichen, dass Museveni dabei ist, von seiner Unterstützung des Gesetztes aus Sorgen um die Handelbeziehungen Ugandas abzurücken. Jedenfalls hat er in einem Schreiben gegenüber seiner Partei deutlich gemacht, dass ausländische Investoren, auf die Uganda angewiesen sei, das Gesetz auch aufgrund von befürchteten Kampagnen europäischer und US-amerikanischer Homosexuellenorganisationen als ein Hindernis für ein Investment in Uganda betrachteten. Museveni gibt dies zu bedenken, ohne sich aber bereits festzulegen, ob er ein neues Gesetz gegen Homosexuelle unterstützen wird oder nicht. 

 

In dieser Situation hat die psychologische Online Dating-Plattform www.Gleichklang.de als Partnerbörse für Menschen aller Geschlechter, Altersstufen, "Rassen" und legitimer sexueller Orientierungen, wie Homosexualität, Heterosexualität, Bisexualität oder Pansexualität, sich entschieden, den ugandischen Präsidenten mit einem besonderen Weihnachtsgeschenk zu überraschen:

 

Seksan Ammawat, der Geschäftsführer von Gleichklang, schickte dem ugandischen Präsidenten das Buch des kanadischen Biologen und Linguisten Bruce Bagemihl über Homosexualität im Tierreich (Biological Exuberance: Animal Homosexuality and Natural Diversity). In dem Buch zeigt Bagemihl auf, dass homosexuelles Verhalten bei mehr als 450 Tierarten dokumentiert ist. Dabei tritt homosexuelles Verhalten bei Tieren swohl in Freiheit als auch in Gefangenschaft auf. 

 

Seksan Ammawat mit Buchgeschenk und Begleitschreiben an Ugandas Präsidenten Museveni

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Das Buch wurde in zwei Exemplaren an das Präsidialamt in der hauptstatd Ugandas Kampala und zusätzlich an die Botschaft Ugandas in Berlin geschickt.

 

Im Begleitschreiben weisen der Geschäftsführer von Gleichklang, Seksan Ammawat, und der Psychologe, Dr. Guido F. Gebauer, auf den Widerspruch hin, eine sexuelle Orientierung, welche bei Mensch und Tier universal auftrete, für unnatürlich zu erklären. Sie drücken die Hoffnung aus, dass der Präsident Ugandas in die Fußstapfen des großen Nelson Mandela treten und homosexuelle Menschen akzeptieren werde. Denn warum sollten Menschen, die sich lieben, ihr Leben in einer Gefängniszelle verbringen?

 

Die homophobe Haltung in Uganda wie auch in vielen anderen Staaten des afrikanischen Kontinentes entspringt übrigens historisch keiner afrikanischen Tradition, sondern ist ein Ergebnis des Kolonialismus und der dadurch bedingten Ausbreitung fundamentalistischer christlicher und islamischer Lehren. 

 

Insbesondere hat eine aus dem Westen nach Afrika exportierte fundamentalistische Interpretation des Christentums maßgeblich zu dem Gesetz wie überhaupt zur homophoben Stimmung in Uganda beigetragen, während ein entsprechender Einfluss traditioneller afrikanischer Religionen nicht erkennbar ist. Hintergründe und Namen werden in diesem Artikel von Haley Mcewen genannt. Umso mehr ist es eine Verdrehung der Wirklichkeit, wenn Ugandas Präsident Museveni die Diskriminierung und Verfolgung Homosexueller mit afrikanischen Traditionen zu rechtfertigen versucht und seine damalige Unterschrift unter das Gesetz als Ausdruck der Souveränität und Unabhängigkeit Ugandas gegenüber dem Westen verstanden haben wollte. 

 

Seksan Ammawat erwartet keine Antwort durch den ugandischen Präsidenten. Aber vielleicht erfahre Museveni von dem Eingang des Buches. Dies könnte für ihn ein Anreiz sein, sich wenigstens mit der Tatsache der starken Verbreitung homosexuellen Verhaltens in der Naturauseinanderzusetzen, gibt sich Seksan Ammawat optimistisch.

 

Gleichklang betrachtet diese Aktion nach den Worten von Seksan Ammawat auch als einen Akt der Solidarität mit den ca 20% unserer Mitglieder, die auch oder nur nach einem gleichgeschlechtlichen Partner oder einer gleichgeschlechtlichen Partnerin suchen. Letztlich seien wir aber eine Welt, so dass die Verfolgung Homosexueller in Uganda ebenso alle anderen Menschen auf der Welt betreffe. Durch den Versand eines Buches solle der ugandische Präsidenten gleichzeitig symbolisch daran erinnert werden, dass Aufklärung und Bildung die besten Garanten für die Entwicklung eines Landes und mit Vorurteilen und Diskriminierung unvereinbar seien. 

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