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Homophobie führt zu negativen Gefühlen gegenüber der eigenen Sexualität

Eine neue Online-Befragung von 144,177 homosexuellen und bisexuellen Männern zeigt, dass negative Gefühle gegenüber der eigenen Sexualität, genannt Homonegativität, durchaus bei den Befragten weit verbreitet sind. Nach den Befunden der Studie handelt sich hierbei um die Internalisierung gesellschaftlicher Vorurteile und homophober Tendenzen.

 

Als ein Hauptbefund zeigt sich, dass Gesetze zum Schutz homosexueller Beziehungen und die Anerkennung des Adoptionsrecht für homosexuelle Menschen mit einer signifikanten Verminderung der Homonegativität von Männern, die Sex mit Männern haben, verbunden sind.

 

Ebenfalls war das Ausmaß, in dem Menschen in der näheren Umgebung angeben, keine Homosexuelle in ihrer Nachbarschaft haben zu wollen, signifikant mit der eigenen Homonegativität homosexueller Männer assoziiert. Je mehr Homosexuellenfeindlichkeit in der Nachbarschaft herrscht, desto mehr lehnen homosexuelle und bisexuelle Männer ihre eigene Sexualität ab.

 

Umgekehrt ist aber das Ausmaß an verfügbaren Informationen zu HIV und sexuell übertragbaren Erkrankungen, Verfügbarkeit von Kondomen sowie die Verfügbarkeit von Möglichkeiten zur medizinischen Untersuchung auf sexuell übertragbare Erkrankungen signifikant negativ mit dem Ausmaß der internalisierten Homonegativität homosexueller Männer assoziiert.

 

Die Studie von Berg et al (2012) leistet einen wesentlichen Beitrag zum Verständnis der negativen Auswirkungen gesellschaftlicher Homophobie und der positiven Auswirkungen gesellschaftlicher Akzeptanz auf das sexuelle Selbstwertgefühl homosexueller und bisexueller Männer. Homophobie führt nicht nur zu gesellschaftlicher Bedrohung und Isolation, sonder kristallisiert sich im emotional-kognitiven Erleben der von ihr Betroffenen als Ablehnung der eigenen Sexualität.

 

Aus der Studie ergeben sich unmittelbare Implikationen für die politische Handlungsebene im Sinne eines konsequenten Vorgehens gegen Homophobie, einer Aufklärung der Bevölkerung und der Verabschiedung von Gesetzen, die die Anerkennung homosexueller Beziehungen und Liebesformen beinhalten.

 

Während sich diese Studie nur auf homosexuelle und bisexuelle Männer bezieht, sind ähnliche Verarbeitungsweisen bei homosexuellen und bisexuellen Frauen, wie auch bei anderen oftmals noch nicht hinreichend gesellschaftlich akzeptierten Liebes- und Sexualitätsformen, wie Transsexualität, zu erwarten. Auch das Selbstwertgefühl intersexueller Menschen dürfte maßgeblich vom Ausmaß der gesellschaftlichen Anerkennung und Akzeptanz geprägt werden.

 

Um allen Menschen den Aufbau eines gesunden und ihr Wohlbefinden und ihre seelische Gesundheit fördernden Selbstwert zu ermöglichen, ist insofern im Sinne einer pansexuellen Gesellschaft die Gewährleistung der vollen Gleichberechtigung und Akzeptanz aller auf der Basis von wechselseitiger Zustimmung und Zustimmungsfähigkeit beruhender Sexualitäts- und Liebesformen dringend erforderlich.

 

Quelle

Berg, RC, Ross, MW, Weatherburn, P, & Schmidt, AJ. (2012) Structural and environmental factors are associated with internalised homonegativity in men who have sex with men: findings from the European MSM Internet Survey (EMIS) in 38 countries., Soc Sci Med. 2013, 78:61-9.

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