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17.Mai: Tag des Kampfes gegen Homophobie

Homophobie in einem Gästehaus in Kenia: Evangelikale Fundamentalisten wollen Afrika zum Bollwerk gegen Homosexualität ausbauen (Foto: Nicor)

Am 17. Mai 1990 entfernte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Homosexualität aus ihrem international anerkannten Diagnosesystem. Seither ist es nicht mehr eine Störung, homosexuell zu sein, sondern es ist eine sogenannte ichdystone Sexualorientierung, wenn Menschen trotz eindeutiger sexueller Orientierung (heterosexuell, homosexuell oder bisexuell – pansexuell wird hier leider noch nicht aufgezählt) unzufrieden mit ihrer sexuellen Orientierung sind, oder gar den Wunsch haben, diese zu ändern. Die Behandlung der ichdystonen Störung bezieht sich entsprechend nach den fachwissenschaftlichen Maßstäben nicht auf eine Veränderung der sexuellen Orientierung, sondern auf eine Veränderung der Unzufriedenheit mit dieser.

 

In Erinnerung an den 17. Mai 1990 als die Pathologisierung der Homosexualität durch die QHO endgültig beendet wurde, ist seither an jedem 17. Mai der Internationale Tag gegen Homophobie. Dieser Tag ist notwendig, denn trotz des mit dem 17. Mai 1990 verbundenen Fortschrittes, sehen sich homosexuelle Menschen nach wie vor tiefgreifender gesellschaftlicher Diskriminierung ausgesetzt.

 

Homophobie in offensichtlicher Form wird deutlich, wenn Menschen in Iran oder Saudi Arabien für ihre sexuelle Orientierung getötet werden, sie wird deutlich, wenn in Uganda durch den Einfluss klerikaler Kräfte Homosexuelle mit lebenslanger Freiheitsstrafe bedroht werden, sie wird ebenfalls deutlich in Russland, wo eine Gesetzt gilt, welches angeblich Pädophilie, in Wirklichkeit aber Homosexualität bekämpft und wo sich russische Politiker nicht enblödeten, aus der Außenperspektive hochgradig peinlich erscheinende, in Russland aber mehrheitlich begrüßte homophobe Hetztiraden gegen die Gewinnerin des diesjährigen Eurovision Song Contest zu fahren. 

 

Weniger deutlich sichtbar, aber ebenso existent ist Homophobie aber im Handeln unserer Bundesregierung, die homosexuellen Partnerschaften nach wie vor das Recht auf Ehe verwehrt, ihnen kein Adoptionsrecht zugestehen will und so homosexuelle Menschen zu Menschen zweiter Klasse degradiert. Die Sachlage, dass die SPD einem Koalitionsvertrag zustimmte, der alles brach, was sie zuvor ihren Wählern, auch durch Anzeigen in homosexuellen Magazinen, versprach, zeigt, wie wenig Gewicht der Gleichberechtigung Homosexueller gegenwärtig noch zukommt.

 

Die weltweiten Fortschritte dürfen nicht übersehen werden. In immer Ländern wir die Diskriminierung homosexueller Menschen und ihrer Liebesbeziehungen beendet. In den USA erfolgt der Kampf für die Gleichberechtigung Homosexueller Bundesland für Bundesland, wobei immer mehr Gerichte, anhaltender Diskriminierung Einhalt gebieten.

 

Gleichzeitig versuchen homophobe Kreise aber nach wie vor die Entfernung der Homosexualität als Störung aus den internationalen Klassifikationssystemen ungeschehen zu machen oder diese zu ignorieren, indem sie weiterhin Behandlungsmethoden für Homosexualität propagieren. Vor diesen Behandlungsmethoden waren alle anerkannten fachwissenschaftlichen psychologischen, psychotherapeutischen und psychiatrischen Verbände, was ihre Befürworte aber nicht von deren Propagierung abhält (siehe ausführliche Analyse hier).

 

In der Bundesrepublik Deutschland steht u.a. das sogenannte „Deutsche Institut für Jugend und Familie“ (DIJG, siehe hier) für den Angriff auf die Menschenwürde homosexueller Menschen, indem sogenannte Reorientierungstherapien angeboten werden, die vor dem Hintergrund eines Defizitkonzepts der Homosexualität eine Reorientierung zu einer heterosexuellen Orientierung ermöglichen sollen. Hinter diesem Institut verbirgt sich im Therapeutengewand gekleidete homophobe Menschenverachtung, die auch vor der Gefährdung der seelischen Gesundheit ihrer Klienten nicht zurückschreckt, sondern diese, getrieben aus religiösem Fundamentalismus, für eigene politische Zwecke instrumentalisiert.

 

Umso bedauerlicher und besorgniserregender ist es, dass diesem Institut bzw. seiner Leiterin auf seelsorgerischen Kongresse, wie auf dem diesjährigen Kongress „Sexualethik und Seelsorge“ in Kassel vom 22.-24. Mai 2014, ein Forum für ihre homophobe Propaganda geboten wird. Eine Demonstration gegen diesen Kongress wird am 23.05.2014 stattfinden. 

 

Gerade weil sich diese und weitere fundamentalistische Kreise hiesig zunehmend nicht durchsetzen können, haben mittlerweile fundamentalistische evangelikale Kreise begonnen, ihren Kampf gegen Homosexualität zu internationalisieren - vor allem, indem sie Afrika als ein Bollwerk gegen die Gleichberechtigung homosexueller Menschen aufbauen und erhalten wollen. Eine zweite Front homophober Staaten wird durch die Mehrheit der muslimisch geprägten Staaten gestellt.

 

All dies ist Grund genug, am 17. Mai 2014 als Tag des Kampfes gegen Homophobie festzuhalten - bis eine Welt entstanden ist, in der Menschen und ihre Liebesbeziehungen nicht mehr diskriminiert und geächtet werden, egal, ob sie heterosexuell, homosexuell, bisexuell, Transgender oder pansexuell sind.

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